Frühkindliche Reflexe – Die ersten Bewegungsmuster unseres Lebens
Einleitung:
Schon bevor ein Baby bewusst Bewegungen steuern kann, verfügt es über eine Reihe von angeborenen
Reflexen. Diese sogenannten frühkindlichen Reflexe helfen dabei, die ersten Lebenswochen und –
monate zu meistern. Sie sind überlebenswichtig, unterstützen die frühkindliche Entwicklung und bereiten
den Körper auf spätere koordinierte Bewegungen vor. Doch was genau sind frühkindliche Reflexe, welche
Funktionen haben sie, und was passiert, wenn sie nicht richtig verarbeitet werden?
Was sind frühkindliche Reflexe?
Frühkindliche Reflexe sind automatische, unbewusste Bewegungsmuster, die bereits vor der Geburt im
Gehirn angelegt sind. Sie entstehen in den ersten Schwangerschaftswochen und steuern grundlegende
Reaktionen auf Berührungen, Geräusche oder plötzliche Bewegungen. Ein Beispiel ist der Such- und
Saugreflex, der Neugeborenen hilft, die Brust zu finden und zu trinken. Ein weiteres typisches Beispiel
ist der Greifreflex, bei dem ein Baby automatisch die Finger schließt, wenn seine Handfläche berührt
wird.
Diese Reflexe sind in den ersten Monaten besonders stark ausgeprägt und verschwinden oder verändern
sich im Laufe der Zeit. Sie werden nach und nach durch bewusst gesteuerte Bewegungen ersetzt. Dieser
Prozess nennt sich Reflexintegration und ist wichtig für eine gesunde motorische und kognitive
Entwicklung.
Warum sind frühkindliche Reflexe so wichtig?
Die frühkindlichen Reflexe sorgen nicht nur für das Überleben eines Neugeborenen, sondern spielen auch
eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Bewegung, Gleichgewicht und Koordination. Sie sind
die Grundlage für spätere Fähigkeiten wie Laufen, Schreiben oder Sprechen.
Doch nicht nur das, sie sind maßgeblich verantwortlich, wie wir uns in Stresssituationen verhalten. Wenn
alle Reflexe sich zur Autonomie entwickelt haben, sind unsere Möglichkeiten mit Schwierigkeiten
umzugehen entspannter, kreativer und lösungsorientierter.
Bärbel Hölscher schreibt in Iherem Buch „Zentrierung“:
„Je stärker man von nicht integrierten Reflexen belastet ist, desto höher ist der Leidensdruck im Leben.
Diese Menschen können gar nicht nachvollziehen, wie es sich anfühlt, mit einer guten Reflexintegration
zu leben, weil sie es ja seit ihrer Geburt , jedoch spätestens seit dem Ende ihres ersten Lebensjahr nicht
anders kennen. Und umgekehrt können Menschen mit gut integrierten Reflexen auch nicht ermessen,
welch hohem Leidensdruck stark reflexbehaftete Menschen ausgesetzt sind, weil sie ebenfalls seit ihrer
Geburt etwas ganz anderes spüren, nämlich eine gesunde Körperspannung.“
Fazit:
Frühkindliche Reflexe sind ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung und bereiten den Körper auf
bewusst gesteuerte Bewegungen vor. Sie helfen Babys in den ersten Monaten und verschwinden
allmählich, wenn das Nervensystem ausgereift ist. Falls Reflexe nicht vollständig integriert werden, kann
dies Auswirkungen auf Motorik, Aufmerksamkeit oder emotionales Verhalten haben. In solchen Fällen
kann Reflextherapie helfen, den Körper zu zentrieren um das Nervensystem nachträglich zu unterstützen
und eine gesunde Entwicklung auf allen Ebenen zu fördern.
Quellen & weiterführende Literatur:
KinFlex Institut – https://kinflex.de
Sally Goddard Blythe: Reflexe, Lernen und Verhalten, Hogrefe Verlag
Bärbel Hölscher: Kraftvoll!!- Reflexe prägen das Leben, BoD-Books on Demand
